Der Naturschutzverein Wattwil «NaThur» gibt zum 10-Jahr-Jubiläum ein prächtiges Buch heraus: «Schön_reich» ist kein belehrendes Schulbuch, sondern ein Bildband und ein Lesebuch. Alle Wattwiler, Lichtensteiger und Krinauer können auf ihrer Gemeinde ein Buch gratis beziehen.
HANSRUEDI KUGLER
Wattwil. «Ich finde den Glögglifrosch unheimlich charmant», Tierfotograf René Güttinger wehrt sich lachend für seine Kröte. Auf den ersten Blick mag die Geburtshelferkröte mit ihrer Laichschnur nicht für jedermann hübsch aussehen. Aber wenn man bedenkt, dass hier das Männchen die Eier bis zu deren Reife mit sich herumträgt, geschickt um seine Fersengelenke gewickelt, so muss man das Tier bewundern. Und wenn man dessen riesige Glupsch-Augen ansieht, wirkt die Kröte plötzlich niedlich. «Genau, mit ihrem Gesicht weckt sie das Kindchen-
Schema», meint René Güttinger.
Über Bilder zum Verstehen
Das Jubiläumsbuch sollte nicht den Naturschutzverein und deren Aktivitäten abfeiern, sondern ein Geschenk für alle Toggenburger sein, sagt Güttinger: «Wir wollten auch kein Schulbuch mit belehrenden Texten, sondern ein Lesebuch mit Tier- und Naturgeschichten und prächtigen Stimmungsbildern», sagt René Güttinger zum Konzept des Buches. So findet man in «schön_ reich» keine Karten, keine Zahlen-Statistik oder didaktischen Zeichnungen.
«Die Bilder sollen wie Magnete ins Lesen hineinziehen», sagt Güttinger. Zusammen mit den Mitherausgebern Franz Rudmann, Anton Bruhin und Stephan K. Haller hat der Wildtierbiologe und Fotograf das Jubiläumsbuch gestaltet. Knapp 100 000 Franken hat es gekostet, 32 000 Franken kamen vom Lotteriefonds, der Rest von regionalen Sponsoren und von den Gemeinden Wattwil, Lichtensteig und Krinau.
Kein Buch mit Zeigefinger
Das Buch geht auf einige heimische Tierarten in ihrem Lebensraum ein. Bedroht sind einige, nicht nur der Glögglifrosch, auch Singvögel und Wasserspitzmäuse. «Schön reich» singt aber nicht etwa das Klagelied vom Verlust der Lebensräume von Wildtieren. Es erzählt vielmehr informativ und auf anschauliche Art vom Tierleben in unserer Kulturlandschaft. «Wir wollten kein Zeigefinger-Buch machen», sagt René Güttinger. Vielmehr erzählt das Buch Geschichten über das Nebeneinander von Mensch und Tier im Spannungsfeld von Landwirtschaft, Siedlungen
und Natur. «Schön reich» enthält darum auch Kapitel über Landwirtschaft und Natur und das Pflanzenparadies auf dem Bahnhof Wattwil.
Fotograf im Dreck liegend
In einigen Kapiteln erfährt man hautnah die Tricks des Tierfotografen: Geduld, Geduld, Geduld. Und man muss wissen, wo man den Glögglifrosch, den Warzenbeisser und die Wasserspitzmaus findet. Die Spitzmaus in freier Wildbahn vor die Linse zu kriegen, wäre aber fast unmöglich. Sie hat René Güttinger eingefangen und im heimischen Terrarium fotografiert. Die anderen Tiere fotografierte Güttinger in freier Natur, stundenlang im Dreck liegend, Nächte durchfroren. Wildtierfotografie verlangt vollen Einsatz. Und man braucht eine Profi-Ausrüstung,
wie beim Foto eines Waldkauzes auf einem Hochkamin. Zwei Stunden zielte Güttinger mit dem schweren Tele-Objektiv, Distanz 50 Meter, Finger am Auslöser, bis der Kauz ihn anblickte.
Müde Heuschrecken
Manchmal muss das Foto schon beim ersten Klick perfekt sein: So etwa beim Paar Feuersalamander und Glögglifrosch. Diese beiden hat René Güttinger in einem Steinbruch auf dem Bauch liegend in einer Felsspalte entdeckt. Das Licht beim Blitzen vertrieb die beiden einträchtigen Tiere danach sofort. Wie man zappelige Heuschrecken fotografiert? Ein simpler Trick, verrät René Güttinger: «Man muss sie müde machen. Man schreckt sie etwa fünfmal auf und schaut, wo sie hinspringen. Dafür nimmt man am besten einen Jagdgehilfen mit. Dann
sind die Heuschrecken müde und lassen sich mühelos fotografieren.» Noch einen Trick gibt Güttinger preis: «Man darf nicht als Fressfeind auftauchen. Also runter auf den Boden und auf dem Bauch herumrobben.»
Druck und Umwelt
Wer ein Naturbuch herausgibt, den kann das schlechte Gewissen plagen. Denn Drucken hiess bis vor einiger Zeit vor allem: viel Chemie. Der Naturschutzverein Wattwil hat für «schön_reich» die Toggenburger Druckerei beauftragt. Der Betrieb ist bestrebt, die Umweltverträglichkeit der Prozesse ständig zu verbessern. Die Druckplattenherstellung für alle Drucksachen erfolgt seit Anfang 2009 ohne Einsatz von Chemie. Dadurch wird der Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent reduziert bei gleichbleibender Druckqualität. Die Druckerei setzt auch auf umweltscho-nende Waschmittel. Wo immer möglich, werden zudem in Absprache mit den Kunden sogenannte FSC-Papiere verwendet. FSC steht für einen Standard für verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung.
„schön_reich“: Naturgeschichten aus dem mittleren Toggenburg, 76 Seiten, Naturschutzverein Wattwil NaThur.
René Güttinger, Franz Rudmann, Anton Bruhin, Stephan K. Haller (Hrsg.)
Alle Wattwiler, Lichtensteiger und Krinauer können ab Mitte März 2009 gratis ein Exemplar auf ihrer Gemeinde beziehen.
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